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Design, Visual Merchandising

Flächendefinition – Teil 1

17.01.2016Lars Veerkamp

Jeder Store hat eine andere Fassade, ein anderes Interieur, eine andere Verpackung. Für viele ist das Grundgerüst aber gleich: Eine Fläche wo Artikel für den Erwerb hinterlegt werden. Wenn man aber genau hinguckt, finden sich gravierende Unterschiede in Aufmachung und Funktion! Wir zeigen sie euch. 

Flagshipstore

Wie der Name schon andeutet handelt es sich hierbei um das Zugpferd der Storeflotte einer Marke. Hiermit präsentieren Unternehmen ihren neuen Markenauftritt in allen Facette und der kompletten Markenarchitektur, ohne Rücksicht auf Verluste. Dieser Store hat mehr zu bieten als nur die neue Corporate Identity und eine prunkvollere Warenpräsentation. Der Wohlfühlfaktor von potenziellen Kunden wird hier noch größer geschrieben als sonst. Das Markenerlebnis wird deutlich hervorgehoben. Großzügige Lounges mit einer Bar, eine kleine Gallery von CI-getreuen Grafiken und andere Visualisierungen sollen zum Besuch einladen und die Verweildauer erhöhen. Die Marke nämlich mehr als nur das Produkt. Der Store dienst nicht mehr nur als reine Verkaufsplattform. Dank der Digitalisierung und des Internetzeitalters haben diese Rolle die Onlineshops übernommen. Ein Ladenlokal hat mehr und mehr die Funktion, eine Marke erlebbar zu machen und die Menschen emotional anzusprechen. Entscheidend ist dabei eine authentische Markenansprache, welche durch eine klare Designsprache visualisiert wird. Der Flagshipstore ist dabei das großflächigste Format und präsentiert alle Produktgruppen einer Marke. Ein „Vorbild“ für alle weiteren Stores einer Marke.

Store

Bei dem normalen Store wird das einzigartige Design eines Flagshipstores auf einen normalen Store heruntergebrochen.
Elementar ist, dass die markanten Markenelemente auf die standardisierte Fläche übertragen werden. Hierbei handelt es sich um alle Designelemente, welche die Säulen eines Markenauftritts darstellen. Z.B. Logo, Interieur, Boden & Tapeten. Da die normalen Storeflächen kleiner sind, können nicht alle Warengruppen übernommen werden. Hier gilt es vorweg zu entscheiden, welche Waren in den verkauft werden sollen. Oft hängt dies von der Jahreszeit und den soziodemografischen Daten der Besucher ab. Auch mögliche Lounges und Sitzgelegenheiten werden bei dieser Fläche integriert. Oft reduziert sich die Größe, in Relation zu der Gesamtgröße des Stores, auf das Wesentliche. Bei einem globalen Rollout wird diese Konzeption auf alle weiteren Storen übertragen. Regionale Anpassungen können dabei weiterhin vorgenommen werde. Denn trotz der Globalisierung gibt es weiterhin Länderspezifikationen, welche berücksichtigt werden müssen.

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Shop in Shop

Werden in Flagshipstores und Stores das gleiche Warenträgersystem verwendet, lässt sich dies für das Shop-in-Shop-System meistens nicht einhalten. Kleine komprimierte Flächen und ein fehlender Lagerraum erfordern, dass pro m² mehr Ware präsentiert wird. Eine Lösung für mehr nutzbare Fläche findet sich in der Nutzung von Rückwänden. Z.B. lassen sich zwei Hängepräsentationen übereinander darstellen, wobei der obere Teil meist für Grafik und Design verwendet wird. Die Zeiten der Onlinestores laden mittlerweile mehr und mehr ein, auch bei Shop-in-Shop-Systemen gezielt auf mehr CI-Elemente zu setzen. Die Emotionalisierung spielt auch dabei eine wichtige Rolle und darf allgegenwertig sein. In Kaufhäusern finden sich oft Säulen im gesamten Gebäude. Diese können gerade für eine ohnehin schon kleine Fläche störend sein. Um dem entgegenzuwirken sollte das Design diese Säulen mit in die Aufmachung des Stores integrieren, um mehr Fläche zu schaffen. Wichtig ist dabei zu beachten, dass sich das CI auch in den umfunktionierten Elementen wiederfindet.

Showroom

Hier wird das Markenerlebnis für den B2B-Bereich zelebriert. Besonders hier ist eine gut inszenierte Markendarstellung wichtiger als das eigentliche Produkt. Hier gilt es Einkäufer von Shoppingmalls für sich zu gewinnen. Auch hier spielt die Emotionalisierung einer Marke die wichtigste Rolle. Kaufentscheidungen werden emotionale Reize ausgelöst und dies gilt auch für die Einkäufer der B2B-Branche. In einem gibt es auch weiterhin die Produktdarstellung eines Großteils der Warengruppen. Allerdings ist dieser Bereich gestalterisch zurückgenommen, um Bereichen von spannend inszenierter Markenmix-Präsentationen oder visuellem Merchandising Platz zu geben. Der Loungebereich ist hier besonders umfassend. Oft findet sich in Showrooms ein realer Shop-in-Shop, um diesen Moderhäusern direkt präsentieren zu können.

Outlet

Bei einem Outlet ist das Markenerlebnis von geringfügiger Bedeutung. Die Besucher sind hier nur an dem Restabverkauf älteren Kollektionen interessiert. Das Design des Outlets ist weiterhin passend zur Marke. Allerdings werden hier nur die wichtigsten Details herausgepickt, z.B. Logodarstellung und Grundfarben des CI´s. Der Rest des Konzepts wird kostengünstig reduziert, was wiederum zum preisgünstigen Abverkauf der Waren passt.

Pop up Store

Pop-up-Stores (auch Guerilla-Stores genannt) sind temporäre Ladeneinheiten mit Verfallsdatum. Dieses Stores „poppen“ oft unangekündigt an ungewöhnlichen Orten auf. Die künstliche Verknappung gilt hier als besonderer Reiz für den Erwerb von Produkten. Die Stores appellieren gezielt auf die Neugier der Kunden und präsentieren die Waren auf eine nicht standardisierte Weise. Zudem soll die Neugierde auch den Jagdinstinkt der Kunden wecken. Es bleibt wenig Zeit sich ein Produkt zu sichern. Erst kaufen und dann überlegen. Ein Vorteil für Unternehmen sind die geringfügigen Kosten. Miete für Ladenflächen fallen nicht an und auch die Materialen sind nicht so teuer wie bei anderen Stores. Auch Dank der sozialen Medien wird sich so ein kurzweiliger, aber besonderer Moment einfach kommunizieren.  Der verbreitete Content wird oft von den Usern selbst gestreut und die Aufmerksamkeit auf den Pop-up-Store verbreitet sich mehr oder weniger von alleine.

 

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